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Windstärke 17


In der Uni besuche ich gerade ein Seminar mit dem Motiv der „Sterbenden Mutter“ – und wie sich dies auf die Identität des Kindes auswirkt. Dabei sind einige Texte wie Camus „der Fremde“ oder Peter Handkes „Wunschloses Unglück“, die der ein oder die andere kennt. Nun habe ich privat, und im Rahmen dieser Rezension, ein Buch gelesen, was sich in dieses Themenfeld einfügt. Der Roman heißt „Windstärke 17“ und ist von der renommierten Caroline Wahl. Wer meine Rezensionen hier bei der Turtle verfolgt, weiß, dass ich schon über ihr Debut 22 Bahnen geschrieben habe. Dies ist nun tatsächlich die Fortsetzung, behandelt aber nicht mehr die Mathematikerin Tilda, sondern ihre jüngere Schwester Ida.


Ida, mittlerweile auch eine junge Frau, um die 20 schätze ich, ihr Alter wird nie genannt, flieht aus ihrem Heimatort, nachdem besagte (alkoholkranke) Mutter gestorben ist. Die Wohnung hat sie verkauft. Und wohin jetzt? Mit einem alten Handkoffer, Airpods in den Ohren und ihrem Macbook setzt sie sich in den Zug. Zu Tilda, die mittlerweile ihre eigene Familie hat, nach Hamburg? Oder noch weiter? Egal, hauptsache fort.


Sie trifft auf Knut und Marianne, die sie aufnehmen und sie tritt auf Leif, der sie wieder etwas anderes fühlen lässt. Nicht nur Schuld und Schmerz und Hoffnungslosigkeit.


Wie auch schon in 22 Bahnen beweist Caroline Wahl, dass sie mit Worten umgehen kann. Direkte und klare Sprache, die aber trotzdem nicht distanziert wirkt. Sie schreibt so einfach schonungslos, wodurch gewisse Emotionen, wie Wut oder Schuld, nochmal viel klarer herausstechen und deutlich werden.

Ida hat es nicht leicht im Leben, eine alkoholökranke Mutter, das macht was mit einem. Eine Mutter, die stirbt, das macht was mit einem. In Windstärke 17 erfahren wir von ihr, wie sie damit umgeht. Das Leben ist unfair – und was kann man daraus machen? Das könnt ihr in diesem Buch lesen.


Der Roman ist natürlich keine leichte Kost, ein paar Mal haben sich in meinen Augen Tränchen gesammelt, aber ich fand es einfach schön geschrieben und  spannend zu sehen, was aus Tilda und Ida geworden ist, wie unterschiedlich und doch gleich sie als Schwestern sind. Es geht also auch um Schwestern, um Töchter, um Mütter.


Ein intensiver Roman, der Vergeben und Schuld behandelt und auf jeden Fall gelesen werden sollte. Ich habe den Roman in einem Rutsch an einem sonnigen Samstag gelesen.



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