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Autoreninterview: Tipps für junge Autor:innen & (biographisches) Schreiben

Aktualisiert: 30. Dez. 2021

Ein Interview mit Kevin Riemer-Schadendorf von Leonie Winter



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Kevin Riemer-Schadendorf, Autor der biographisch inspirierten Novelle ,,Leiden für ein Feuerwerk" (2021)

In unserer Interview-Reihe sprechen wir mit Leuten aus den Branchen, in denen unsere Künstler:innen schon sind oder wo sie noch hin wollen.

Als Kick-Off der Reihe sprechen wir mit Kevin Riemer-Schadendorf, Buchautor beim Treibgut Verlag. Leonie stellt ihm Fragen übers Schreiben, Autor werden und darüber, wie es ist, über den Zweiten Weltkrieg und die eigene Familiengeschichte zu schreiben.

Lieber Kevin, wir freuen uns, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns zu sprechen!




Akademisches Schreiben und Belletristik


„Du hast deinen Magister in Kulturwissenschaften gemacht und im Nachhaltigkeitsmanagement promoviert, jedoch keine klassischen Literaturwissenschaften studiert. Inwiefern hatte dein akademischer Werdegang auf dein kreatives Schaffen Einfluss?”


„Zweifelsohne fließen im Allgemeinen sämtliche Lebenserfahrungen in den Schreibprozess mit ein und beeinflussen unweigerlich den schriftstellerischen Duktus. Speziell die Wissenschaft verlangt von der Verfasser:in, ein objektives, wahrheitsgetreues und faktenbasiertes Schreiben, mit dem Ziel im Sinne der Forschung neues Wissen zu generieren. Dieses Prinzip setzt gleichwohl auch Grenzen, was, auch wenn es befremdlich klingen mag, das Schreiben erleichtert. Die Belletristik gestattet eine:r Schriftsteller:in hingegen ein subjektives Fabulieren – die Fantasie ist eben grenzenlos. Ich glaube jede:r Autor:in saß schon einmal vor einem leeren Blatt und wollte mit dem Schreiben beginnen, doch wusste nicht, wo anzufangen. Wenn nahezu alles erlaubt ist, ist die größte Schwierigkeit einen konsistenten Stil und Plot zu entwickeln.“


Warum Autor:in werden?


Die Belletristik ist nachsichtiger, ihre Regeln lockerer, als die der Wissenschaft – aber mit Freiheit kommt auch einiges an Verantwortung und Entscheidungen, wie Sartre sagte.


„Du hast auch wissenschaftlich publiziert. Wann hast du dich dazu entschieden, einen belletristischen Weg zu gehen und Autor werden zu wollen – und was willst du damit erreichen? Gab es einen konkreten Zeitpunkt, an dem du dir dachtest: Jetzt möchte ich nicht nur wissenschaftlich schreiben, sondern auch mal etwas Neues ausprobieren? Oder war es gar ein Einfall aus Kindertagen?“


„Das war ein fließender Prozess. Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich seit Kindheitstagen danach trachtete, ein Autor werden zu wollen. Je nach dem jeweiligen Lebensabschnitt wurde von mir ein unterschiedlicher Schreibstil erwartet. Wissenschaftliches oder werbliches sowie sozialmediales oder journalistisches Schreiben. Aufsatz, Werbetext, Blogartikel und Pressemitteilung verlangen eben einen eigenen Stil, da sie individuelle Ansprüche und Ziele verfolgen. Das Schreiben von Blogs gab mir hierbei die größte Freiheit, obgleich es in meinem Fall galt, sie unter dem Sujet der ökosozialen Nachhaltigkeit zu subsumieren. Ein Buch zu schreiben, gewährt einer Autor:in die größtmögliche schriftstellerische Freiheit, da der eigenen Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Zumindest sofern diese Fantasie nicht von Verlagsvorgaben und/oder Lektor:innen in ein wirtschaftliches Korsett gezwängt wird. Finanzielle Anreize waren und sind für mich jedoch keine Motivation, um zu Papier und Feder zu greifen, da ich, auch wenn es unromantisch klingen mag, mittelfristig nicht davon ausgehe, ausschließlich von meiner Schriftstellerei leben zu können. Jean Paul schrieb einst, dass eine Autor:in „ohne Brotgier, ohne Rücksicht auf den Leser, bloß in den Gegenstand versenkt“ schreiben solle. L’art pour l’art, wenn man so will. Ich denke, diese intrinsische Motivation spiegelt meine Ansprüche an die eigene Schriftstellerei recht gut wider.“


Tipps für junge Autor:innen